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Die Leipziger Buchmesse ist immer eine Reise wert – soweit ich das beurteilen kann. Denn ich war zwar dort, und das auch durchaus zum wiederholten Male. Aber: Ich sehe die Messe mit Scheuklappen, die ich mir selbst aufsetze. Meine Wahrnehmung ist insofern eingeschränkt.

Mein Tunnelblick ist der Tatsache geschuldet, dass ich Hörspiele mache. Entsprechend habe ich mich einen Großteil der Messezeit in Halle 3 aufgehalten. Dort befand sich zum einen der Gemeinschaftsstand der Hörspielverlage. In offener Struktur mit ineinander fließenden Präsentationsflächen stellten die größeren Label ihre Hörstücke vor. Die kleineren Verlage und Hörspielmacher tummelten sich fast direkt nebenan in der Arena der Hörspielgemeinschaft, wobei aber auch dort einige Hörspielriesen wie Europa und Universal zugegen waren. Die Hörspielgemeinschaft wies U-förmig angeordnete Regalflächen auf, die eine Bühne und die zugehörigen Stuhlreihen umfassten. Auf der Bühne gab es neben einigen Produktvorstellungen vor allem Einblicke hinter die Kulissen von Sprechern und Produzenten.

Abgesehen von den messebaulichen Unterschieden und der Zusammensetzung der Aussteller gab es dabei noch einen wesentlichen Unterschied: Die Hörspielgemeinschaft rekrutiert sich aus Freiwilligen aus Deutschland und Österreich, die sich in einem Verein organisiert haben. Mit entsprechend viel Herzblut und Leidenschaft ging die Hörspielgemeinschaft ans Werk, legte sich für das Medium Hörspiel ins Zeug, und sie tat es mit Freude und Überzeugung. Das soll nicht heißen, dass es dem benachbarten Gemeinschaftsstand der Hörspielverlage an Pathos mangelte – wenn, dann drückt sich der Unterschied hier nur in Nuancen aus. Mein Eindruck aber: Bei den großen Hörspielverlagen stand eher das individuelle Produkt im Vordergrund, das Hörspiel und Hörbuch insgesamt jedoch nur implizit.

Abgesehen von Halle 3 stand noch Halle 2 auf meinem Programmpunkt – dort finden sich traditionell die Comic-Fraktionen wieder. Auch dort gab es die ein oder andere Hörspielvorstellung, insbesondere in solchen Fällen, in denen ein Comic als Vorlage für ein Hörstück diente. Auffällig in Halle 2: Viele der Gäste waren kostümiert, posierten für Fotos und imitierten erstaunlich gekonnt bekannte und unbekannte Comic- und Manga-Helden – das so genannte Cosplay hat wie in den Jahren zuvor erneut eine erstaunliche Rolle gespielt und spürbar zur Atmosphäre der Leipziger Buchmesse beigetragen. Engel mit Flügeln, die eine Spannweite von zwei Metern aufweisen, Super-Marios und Luigis mit falschen Bärten aus dem Super-Mario-Computerspiel, Zelda-Held Link mit Pfeil und Bogen sowie viele weitere aufwändig gestaltete Verkleidungen luden den Unbeteiligten zum Schmunzeln und Grübeln darüber ein, wie viel Liebe und Mühe in den oft selbst kreierten Kostümen wohl stecken mochte.

Insgesamt schien mir aber die Zahl der Gäste                                                       und auch die Zahl der Kostümierten deutlich unter denen des Vorjahres zu liegen. Vergangenes Jahr war es teilweise nicht möglich, sich frei durch die Gänge in Halle 2 zu bewegen – man wurde von der verkleideten Masse mitgeschoben, es herrschten durchaus klaustrophobische Zustände. Dieses Jahr war ich kein einziges Mal Teil einer solchen Massenbewegung. Er war voll, auch in den anderen Hallen. Aber es war angenehm voll – soweit ich das beurteilen kann, denn ich hatte wie gesagt Hörspielscheuklappen auf.       (Oliver Wenzlaff)

Der Autor Oliver Wenzlaff ist selber ein „kleiner“ Hörspielmacher und schreibt und produziert unter anderem die Hörspielserien „Adams van Ghoot“ und “Alina Fox”. Er lebt und arbeitet in Berlin.

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Anmerkung der Redaktion: Unser Dank geht neben Oliver Wenzlaff, auch an Günter Rubik und Michael Girbes, welche uns mit Fotomaterial versorgten!

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